Transnationale Räume erzählen:

Transnationales Lernen
https://dffb-archiv.de/editorial/transnationales-lernen

von Madeleine Bernstorff

[…]
Khaled Mzehr kam 2013 an die dffb. Sein Grundkursfilm, das Spielfilmdebut WADA (2014), handelt von dem Familienvater Ibrahim in Berlin, einem Instrumentenbauer, der versucht, Kontakt zu seinem im syrischen Bürgerkrieg verschollenen Bruder herzustellen. Der Film erzählt einen Tag lang den komplizierten Entscheidungsprozess dieses Mannes, nach Syrien zu reisen und dort weiterzusuchen. Er spricht mit einem muslimischen Bestatter in Berlin und sieht bei einer Leichenwaschung zu. Die Wahl von Laienschauspielern, die ihre Erfahrungen (und damit die der syrischen Exilgemeinschaften) in die Inszenierung miteinbringen, und ein Inszenierungsstil, der auf ein körperlich eloquentes Spiel der Andeutungen, Gesten und Haltungen eher vertraut als auf Dialogschwere, erweist sich in Mzhers Film als extrem produktiv und bewegend. Die dokumentarisch gesetzten Drehorte – hier ist es Berlin-Neukölln – erzählen präzise und unaufgeregt von den transnationalen Infrastrukturen der Exilgemeinschaften. Fabian Tietke bemerkt zur Welturaufführung bei den Kurzfilmtagen Oberhausen über Ahmad Farajs Interpretation seiner Rolle und die Schauspielerführung des Regisseurs: „Wie er da so geht, wirkt es, als würde sich die Wand von Geräuschen vor ihm teilen und hinter ihm wieder schließen. […] In Mzhers Film war die umgebende Wirklichkeit schon da, bevor sich die Handlung in ihr ereignete – und sie wird bleiben, nachdem Ibrahim nach Syrien gefahren ist. Seine Wirklichkeit ist sie schon jetzt nicht mehr, auch wenn er sich vorläufig noch durch sie hindurch bewegen muss.

[…]

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